Ich habe sie geliebt!

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Requiem für eine Siebträgermaschine

BFC Royal Monza 3G - wir werden dich niemals vergessen!

Wenn es darauf ankommt, können Dinge bessere Freunde als Menschen sein. Ich denke an meinen ersten Schlafsack damals in Südfrankreich, an den massiven Eichenholz-Schreibtisch, den mir Klaus-Ulrich einmal schenkte und der mich jetzt noch begleitet. Sie laufen nicht davon, wenn man sie am dringendsten braucht, sie lassen einen niemals unter einem blöden Vorwand im Stich und sie sind immer da. Gut, manchmal gehen leider auch Dinge kaputt, aber sterben müssen wir schließlich alle einmal.

Kaffeemaschinen sind besonders gute Freunde. Nicht diese harmlosen Durchlauf-Dinger, nein, richtige Espresso-, also Siebträgermaschinen. Vannucci hatte damals so eine, Ecke Mittenwalder / Fürbringer, falls sich jemand erinnert. Und jetzt eben Liberda an der Zossener. Wer keine Ahnung von Kaffee hat, wundert sich vielleicht, was die Bäckereifachverkäuferin da im Hintergrund alles veranstaltet. Bohnen für jede Tasse frisch mahlen, Pulver im Siebträger mit dem Tamper festdrücken, einhängen, Brühung einschalten. Das verlangt solide Arbeit und ist fast ein Handwerk!

Dann sitzt man draußen mit diesem wunderbaren großen Café Crème vor sich, der eigentlich ein Espresso ist, zählt gelangweilt die Falschparker, ärgert sich über die nervigen E-Roller-Fahrer auf dem Trottoir und allmählich kommen die Gedanken in Schwung. Als Journalist, der lieber ein Schriftsteller wäre, schleppt man ja ohnehin ständig eine Menge halbfertiger Sätze mit sich herum und mit Hilfe des Espressos werden diese Sätze nun immer länger, sie verzweigen sich untereinander, gewinnen an Farbe und an Gewicht und die Tasse ist noch nicht halbleer, da werfen sie sich schon in die Luft und umschwirren einen wie ein ganzer Vogelschwarm.

Nun kann man vor dem Liberda auch von leibhaftigen Spatzen umflogen werden oder von den drei dort heimischen Nebelkrähen. Vor Jahren setzte sich sogar einmal ein Pfauenauge auf meine Schulter, gar nicht zu reden von den Kastanien, die dort im Herbst auf Autodächer herunterprasseln, dass es wie Schüsse klingt. Aber das sind andere Geschichten. Tom, ein guter Bekannter, stimmt mir übrigens zu. Wenn er einen Café Crème schlürfe, sei er nachher wie "inspiriert", sagt er. Er habe Einfälle, die er sonst niemals habe. Auch ich trage mit ein wenig Glück nachher zwei neue Blog-Artikel mit nach Hause und mindestens eine halbe Stunde lang schien es mir, als verstünde ich endlich, wie die Welt funktioniert.

Das alles verdanken wir Liberda-Inhaber Rasim Cevik und seiner BFC Royal Monza 3G. Man stelle sich den Schock vor, als die geliebte Siebträgermaschine vor ein paar Wochen plötzlich als abgenutztes, verbrauchtes Wrack vor dem Backshop stand, ihrerseits umschwärmt von Italienern, die offenbar gerade dabei waren, sie abzutransportieren! Es hat sie erwischt! Sie hat es nicht geschafft! Ja, der viele Kalk halt, berichtet Cevik-Junior mitfühlend. Die hohe Belastung. Am Ende habe es sich nicht rentiert, die Maschine zu reparieren: "Aber sie hat sechs Jahre gehalten!"

Die neue ist übrigens schon da. Sie heißt BFC Royal Galileo 2G und scheint eine enge Verwandte zu sein. Die ersten Schlucke schmecken wirklich hervorragend, aber noch fremdeln wir ein bisschen und trauern. Liebe Royal Monza, wir vermissen dich! Danke für die gute Zeit!

 

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