Kuschelt gerne zusammen

Veröffentlicht in: Wildes Kreuzberg | 0

Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus): Das Liebesspiel kann bis zu sieben Tage dauern

Feuerwanzen sind hübsch anzusehen und meistens nicht allein. Foto: ks

Wer jetzt im Hochsommer draußen unterwegs ist, kann sie gar nicht übersehen. Auf den warmen Grabsteinen der Friedhöfe, auf sonnenbeschienenen Lindenstämmen, immer in riesigen Ansammlungen. Da sitzen sie zu Hunderten, wimmeln über- und untereinander, klein und hübsch und rot mit ihren seltsamen schwarzen Flecken, denken über den Lauf der Welt nach, beratschlagen über wichtige Dinge oder machen irgendetwas anderes. Im wilden Kreuzberg tummeln sich viele interessante Tiere, aber die Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) gehört zu den farbenfrohsten und auffälligsten.

Nun gelten Wanzen und generell Insekten gemeinhin als ziemlich eklig. Beißen sie vielleicht? Sind sie giftig? Oder fressen sie meine Edelrosen? Tatsächlich sind Feuerwanzen harmlose, ja sehr liebenswerte Tiere. Sie können weder beißen noch kauen, besitzen aber stattdessen einen aus zwei getrennten Röhrchen bestehenden Rüssel. Mit einem davon blasen sie Verdauungssaft in ihre Nahrung - vor allem auf den Boden gefallene Pflanzenteile von Linden, Robinien, Rosskastanien oder Malvengewächsen - mit dem anderen saugen sie den entstandenen Brei wieder auf.

Anhand ihrer ausgeprägten schwarzen Muster kann man übrigens verschiedene Entwicklungsstadien unterscheiden. Die erwachsene Wanze trägt zwei große parallele Punkte auf den Flügeldecken mit einem regelmäßigen Dreieck davor - links unten auf dem Foto krabbelt zum Beispiel so eine herum. Alle anderen auf dem Bild sind deutlich jünger (in der Mitte ist eine ganz kleine zu erkennen). Ihre Zeichnung ist weit weniger markant, auffallend sind drei kleine schwarze Punkte in einer Reihe. Zwischen den insgesamt fünf Stadien müssen sich die Insekten jeweils häuten.

Haben Feuerwanzen Sex? Ja, haben sie. Weibchen paaren sich mit mehreren Männchen, wobei eine Kopulation bis zu sieben Tage dauern kann. Angeblich wollen die Männchen auf diese Weise verhindern, dass Rivalen zum Zug kommen. Die Weibchen sind davon und von der Eiablage leider so erschöpft, dass sie früher sterben als ihre Partner.

Warum sind sie so auffällig gefärbt? Vermutlich wollen sie damit Fressfeinde abschrecken. Feuerwanzen schmecken nicht so besonders, hört man, und sondern bei Gefahr überdies ein übelriechendes Sekret ab. Die Strategie ist offenbar erfolgreich, sie haben nur wenige natürliche Feinde.

Und warum sind es immer so viele? Die enormen Ansammlungen werden durch Duftstoffe zusammengehalten. Feuerwanzen lieben offenbar die Geselligkeit. Es sind soziale Wesen: Sie arbeiten zusammen, um Samen aufzubrechen, und teilen die Nahrung. Und wenn es kalt wird, wärmen sie sich gegenseitig: Biologen haben herausgefunden, dass es in einer Feuerwanzen-Versammlung wärmer ist als außerhalb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.