Gefährliche Jägerin

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Trauerwolfspinne (Pardosa lugubris): Den Nachwuchs trägt sie huckepack spazieren

Weibliche Trauerwolfspinne nimmt ein Sonnenbad. Foto: ks

Die erste Spinne! Die Bergmannstraßen-Friedhöfe sind ein wunderbares Biotop. Man muss sich oben am Berg, wo sich im Sommer Hunderte Feuerwanzen auf einem Lindenstamm tummeln und wo bis vor kurzem noch der üppige Schmetterlingsflieder stand, nur auf eine Grabeinfassung hinkauern, ein bisschen warten und dann kommt sie schon angelaufen. Eine kleine Trauerwolfspinne (Pardosa lugubris). Streckt genüsslich die langen Beinchen aus und wärmt sich in der Sonne.

Ganz entgegen dem Vorurteil verbringt diese Spinne ihre Zeit nicht damit, komplexe Netze zu weben. Und bei der Paarung frisst das Weibchen auch nicht das arme Männchen auf. Sie baut sich nicht einmal einen Schlupfwinkel oder ein Nest. Die Trauerwolfspinne ist eine frei herumstreifende Jägerin. Dank ihrer acht Augen sieht sie ausgezeichnet, läuft sehr schnell und mit dieser Ausstattung verfolgt sie ihre Beutetiere, springt sie direkt an und versetzt ihnen den Giftbiss, der sie außer Gefecht setzt. Kleine Insekten vorzugsweise, auch andere Spinnen, manchmal sogar Artgenossen.

Dabei hat eine Trauerwolfspinne auch empathische Seiten. Den Nachwuchs etwa, wenn er aus dem Kokon geschlüpft ist, trägt sie fast eine Woche lang huckepack auf ihrem Hinterleib spazieren. An die hundert winzige Spinnen klammern sich dann an die Mutter, in mehreren Lagen übereinander, und ernähren sich vom verbliebenen Eidotter. Wolfspinnen sind zwar solitäre Wesen, können aber durchaus in Massen auftreten. Spinnenforscher wie Marko Leson berichten von Laubwäldern, in denen es im Frühling - obwohl die Bäume noch keine Blätter tragen - geheimnisvoll rauscht: Es sind Hunderte, Tausende von Trauerwolfspinnen, die durch das trockene Laub am Boden jagen.

Weibchen sind wegen ihrer geringelten Beine leicht von Männchen zu unterscheiden. Allerdings fanden Arachnologen kürzlich heraus, dass statt der einen Trauerwolfspinne vier verschiedene existieren. Die Unterschiede sind so minimal, dass wir sie als Amateure hier vernachlässigen können. Wir halten nur fest: Die Trauerwolfspinne ist kein Wolf. Sie ist auch kein Insekt - Insekten besitzen sechs, Spinnen acht Beine. Beide gehören sie zu den Gliederfüßern, die derzeit etwa 80 Prozent aller bekannten Tierarten stellen. Sie entstanden vor rund 540 Millionen Jahren und in, sagen wir: 10.000 oder 100.000 Jahren wird es auf der Erde mit Sicherheit noch welche von ihnen geben, was für den Menschen kaum anzunehmen ist.

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