Erfolgreiches Neozoon

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Kanadagans (Branta canadensis): Ausgerissen von der Schulfarm auf der Insel Scharfenberg

Kanadagans sonnt sich am Urbanhafen. Foto: ks

Die Kanadagans (Branta canadensis) ist eine Gans und sie stammt aus Kanada. Damit ist schon einiges gesagt, aber natürlich lässt sich über den hübschen Entenvogel mit dem schwarzen Hals und dem weißen Kinnband noch viel mehr erzählen. Mit einer Länge von knapp einem Meter ist er etwas größer als die Graugans und damit die größte Gänseart, die in Europa auch in freier Wildbahn zu beobachten ist. Inzwischen zu beobachten ist. Denn als ursprünglich gebietsfremde Art (Neozoon) wurde sie dort erst vom Menschen eingeführt.

In Großbritannien tauchten die ersten Kanadagänse schon im 17. Jahrhundert auf, in Deutschland als Brutvogel aber erstmals um 1970 herum. Wie sich das nun genau in Berlin abgespielt hat, recherchierte dankenswerterweise die BZ: Der Hausmeister des Gymnasiums der Insel Scharfenberg im Tegeler See hatte 1983 zwei Gänse für die Schulfarm gekauft. Weil er keine Voliere besaß, rissen sie aber aus und verteilten sich über die Berliner Gewässer, vorzugsweise am Tegeler See, im Tiergarten und im Müggelsee.

Auch am Landwehrkanal kann man ihnen begegnen. Ornithologen schätzen, dass in Berlin wohl rund 200 Kanadagänse leben, in ganz Deutschland sind es zwischen 8500 und 14.500 Brutpaare - Tendenz zunehmend. Damit gilt die große Gans unter Vogelschützern als eine der wenigen Neozoen, die sich in Deutschland erfolgreich eingebürgert haben. Sie ernährt sich von Gräsern, Wasser- und Unterwasserpflanzen und macht vor allem im Flug ziemlich viel Lärm. "Der Ruf ist tief, nasal und trompetend. Er erinnert an ein ah-honk oder a-rong, wobei die Betonung auf der zweiten Silbe liegt und die Tonhöhe auf dieser Silbe leicht ansteigt", wissen Spezialisten. Ah, ja.

Kanadagänse haben keine Scheu vor Menschen. Gans im Gegenteil: Zuweilen watscheln sie sehr selbstbewusst auf erholungssuchende Zweibeiner zu. Auf grünen Liegewiesen am Seeufer können schon mal Nutzungskonkurrenzen entstehen zwischen Gans, Ente, Schwan und Mensch. In Nordrhein-Westfalen hat sich die Kanadagans, wie man hört, deswegen bereits unbeliebt gemacht. In Berlin ist sie noch so selten, dass davon keine Rede sein kann. Und weil an Weihnachten und Neujahr das ja viele interessiert: Kanadagänse kann man übrigens auch essen. Aber muss man nicht. Muss man wirklich nicht. Nein.

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