Ungebetene Gäste

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Ameisen-Sackkäfer (Clytra laeviuscula): Nicht alle, die wie Ameisen oder Marienkäfer tun, sind auch welche

Unter Ameisen-Sackkäfern geht es heftig zur Sache. Foto: ks

Sie sind rot wie Marienkäfer. Sie haben schwarze Punkte auf den Flügeldecken wie Marienkäfer. Überhaupt schauen sie etwa so aus wie Marienkäfer. Überraschung: Es sind aber keine! Ja, ein bisschen größer wirken sie schon und auch nicht ganz rund, sondern eher länglich, aber das fällt meist nur Spezialisten auf. Was wir hier auf dem Foto bei heftiger intimer Tätigkeit sehen, sind tatsächlich zwei Ameisen-Sackkäfer (Clytra laeviuscula), die im Sommer in größeren Gruppen Weiden, Eschen oder Weißdorn bevölkern, sich dort vermehren und dabei riesige Löcher in die Blätter fressen.

Ihr Leben ist so spektakulär und aufregend, dass man gar nichts hinzuerfinden muss. Üblicherweise paaren sich die kleinen, roten Käfer in der näheren Umgebung von Ameisennestern. Danach beklebt das Weibchen die Eier mit Schuppen aus ihrem Kot, bis sie winzigen Kiefernzapfen gleichen, und lässt sie ins Gras fallen. Krabbelt nun zufällig eine Ameise vorbei, trägt sie die seltsamen Krümel oft bereitwillig als willkommenes Nistmaterial in ihr Nest. Manche vermuten aber auch, die sich bald entwickelnden kleinen Larven würden sich heimtückisch selbst an Ameisenbeine klammern.

Im Ameisennest geht es den Käferlarven gut: Sie verspeisen diverse Abfallprodukte, wohl aber auch bösartig die Eier und Larven der Ameisen selbst. Diese merken nichts davon, weil die gefährlichen Parasiten ameisenähnliche Duftstoffe verbreiten - worauf sie von den Ameisen als Ameiseneier angesehen und auch so behandelt werden. Die Käfer bleiben dabei ständig in einer sackartigen Hülle (daher der Name!) aus Eiresten und Kot, die sich kontinuierlich vergrößert. So verharren sie zwei bis drei Jahre als unentdeckte, ungebetene Gäste. Werden sie von einer Ameise berührt, ziehen sie sich sofort in ihre Kothülle zurück und sind dort sicher.

Schließlich bewegen sich die Sackkäfer-Larven gemächlich in Richtung Nestausgang und verpuppen sich dort. Ist ihr Chitinpanzer ausgehärtet, schlüpfen sie und suchen schleunigst das Weite, ehe sie von Ameisen angegriffen werden können. Steht in der Nähe des Nestes dann ein einladender Weidenbaum mit frischen Trieben, hellgrünen Blättern und attraktiven Artgenoss:innen, beginnt der Kreislauf aufs Neue. Oh du böse, grausame, hinterlistige Natur!

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