Mit Handy-Klingelton

Veröffentlicht in: Wildes Kreuzberg | 0

Amsel (Turdus merula): Musikalischster Singvogel Mitteleuropas

Männliche Amsel beim Sonnenbaden. Foto: ks

Die Amsel (Turdus merula), um es in einem Wort zu sagen, wird unterschätzt. Üblicherweise gilt sie als Vogel, der "halt irgendwie auch da ist", in Gärten, Parks und auf Friedhöfen, wie Tauben an der U-Bahn oder Spatzen tschilpend im Gebüsch. Die Männchen erkennt der Großstadtbewohner immerhin an der schwarzen Farbe und dem gelben Schnabel, die Weibchen wirken ganz bräunlich-unscheinbar. Aber das ist falsch! Zunächst hat der liebe Gott natürlich alle Geschöpfe lieb. Und dann sind gerade Amseln etwas Besonderes. mogblog erklärt, warum:

Der Gesang: Vor allem von März bis Juli ist der Reviergesang der Männchen unüberhörbar. Von einem erhöhten Standpunkt aus, der "Singwarte", tragen sie volltönende und überaus melodische Strophen vor, oft im Wechselgesang mit einem anderen Männchen. Dabei werden Laute anderer Vogelarten, Handy-Klingeltöne oder Polizeisirenen integriert. Amseln singen gerne in der Morgen- und in der Abenddämmerung - das macht ihren Gesang für den Menschen besonders stimmungsvoll.

Musikwissenschaftler sind vom Amselgesang begeistert. So hielt der Komponist und Dirigent Heinz Tiessen (1887–1971) die Amsel - trotz aller Nachtigallen - für den "musikalisch höchststehenden Singvogel Mitteleuropas“. Längeres Zitat: "Die Spannweite des tonlichen Ausdrucks … reicht vom Schlichtesten bis zum Differenziertesten, von reinen Dreiklangmotiven und diatonischen Intervallen in ausgeprägten Tonarten bis zur Chromatik und darüber hinaus bis ins tonartlich wie harmonisch Unfassbare hinein.“

Die Alarmrufe: Amseln können aber nicht nur singen, sondern auch die umgebende Tierwelt wirkungsvoll alarmieren. Mit einem laut zeternden "tix-tix-tix-tix" bei nervigen Bodenfeinden (auf Friedhöfen sind das häufig herumgackernde amerikanische Touristen) und einem sehr hochfrequenten "siiiih-siiiih" bei Luftfeinden, etwa einem Habicht.

Zu Regenwürmern haben Amseln ein ausgesprochen libidinöses Verhältnis. Nach einem Regenschauer hüpfen sie über die nasse Wiese, ziehen mit tödlicher Sicherheit hier und dort einen glitschigen, sich ringelnden Wurm an die Oberfläche, zerlegen ihn fachgerecht in handliche Teile und füttern damit ihren Nachwuchs.

Ähnlich dem Menschen strebt die Amsel nach Komfort und Luxus. Dazu zählen regelmäßige Bäder, aber auch der Gang ins Solarium. Dabei legen sich die Vögel "flach auf den Boden, spreizen den Schwanz und breiten die Flügel aus. Dies machen sie bevorzugt im Hochsommer und setzen sich dabei nachmittags gelegentlich der Sonne aus, bis sie Anzeichen von Hitzestress zeigen". Wikipedia hat recht - siehe Foto oben. Übrigens ein weiterer Beleg, dass auch der Amateur mit einer harmlosen Digital-Knipse zu interessanten ornithologischen Beobachtungen in der Lage ist!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.