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Höckerschwan (Cygnus olor): Nach Oper und großer Lyrik nun auch im Kiezblog

Weiß genau, wie schön sie ist: Höckerschwänin am Urbanhafen. Foto: ks

Beim Schwan scheiden sich unter den halbwegs Gebildeten die Geister. Die einen assoziieren sofort Lohengrin und stürzen sich in die Abgründe der germanischen Heldensage oder was Richard Wagner dafür gehalten hat. Empfindlichere Gemüter erinnern sich vielleicht an Rainer Maria Rilke. "Der Schwan" von 1906 gilt als eines der vollendetsten Gedichte, welche die deutsche Sprache jemals hervorgebracht hat, und kann auch bildungsferneren Kreisen die Wunder nahebringen, zu denen sie in der Lage ist.

Von hier aus ist es nicht weit bis zum Albatros Charles Baudelaires und natürlich sind beide Vögel ein Symbol für den Dichter, der sich im groben, ökonomisch bestimmten Leben unverstanden, mit ungeschlachten Schritten von der Stelle bewegt, während er in der Poesie ... Nun, lassen wir das.

Im realen Leben sind Schwäne wunderschöne, aber vor allem während der Brutzeit auch sehr streitbare Zeitgenossen. Nicht nur Kindern wird geraten, ihnen dann aus dem Weg zu gehen. Ein männlicher Schwan bringt bis zu 15 Kilo auf die Waage und reicht mit bis zu 2,40 Meter Flügelspannweite fast an den Seeadler heran. Höckerschwäne haben übrigens intensive und stabile emotionale Bindungen untereinander - das erkennt man an den ausgedehnten Begrüßungszeremonien eines Paares nach einer Trennung. Sie werden eingestuft als "halbzahme Parkvögel". Tatsächlich hat ihnen die Nähe zum Menschen auch großes Leid gebracht. Jahrhundertelang gehörten die Vögel zum Besitz eines Fürsten oder einer Bürgerschaft. So ließ laut taz-Naturkritiker Helmut Höge der preußische König noch um 1875 den Schwänen in Berlin die Flügel brechen, damit sie ihm nicht entkommen konnten.

Steht man eine Weile am Urbanhafen herum, kann man übrigens Unterschiede in den Charakteren erkennen. Natürlich kommen sie sofort neugierig angeschwommen, in der Hoffnung auf Essbares. Merken sie, dass sie angeführt wurden, fangen die einen aggressiv und böse zu zischen an. Andere wenden sich pikiert ab und tun hoheitsvoll so, als wäre nichts. Wieder andere hoffen: Na gut, vielleicht komme ich wenigstens in die Tagesschau! Betrachten sich erst kritisch im Wasserspiegel, zupfen die Federn zurecht, drehen wunderschöne Pirouetten und strecken sich in alle Richtungen, als würden sie auf dem Laufsteg die neueste Bademode präsentieren. Immer mit einem Auge direkt in die Kamera.

Ja, Entschuldigung, blöd gelaufen, ist nicht das Fernsehen, nicht einmal irgendein aufgeblasener Instagram-Influencer, nur ein kleines Kiezblog. Keine Ahnung, ob das überhaupt jemand liest. Aber besten Dank für die Fotos!

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