Tote Tiere sind nie schön

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Wanderratte (Rattus norvegicus): Oft taucht sie dort auf, wo keiner welche vermutet hätte

Wanderratte mit Wespen und Goldfliegen (Lucilia sericata). Foto: ks

Sie liegt im Dreck. Die rosa Beinchen
lächerlich hinweggestreckt wie eine alt
gewordne Hure, die ihren müden, eklen
Schoß nun schamlos allen Blicken zeigt.

Aus Maul und After, wo der Krähe Schnabel
wild ins Gedärm sich hackte und schreiend
rote Wunden schlug, quillt Eiter, Unrat,
Fäulnis. Und lockt mit süßlicher Verwesung

die Entourage: Schmeißfliegenbataillone,
Wespenstoßtrupps, der schwarzen Maden
widerlicher Zug, der lustvoll-gierig sich an dem
ergötzt, was andere zur Ohnmacht zwingt.

Schau in den Spiegel! Da ist kein Fleck,
der dich nicht sieht! Wie feige, feist und
niederträchtig du rattengleich durchs Leben
schlichst, auf eignen Vorteil nur bedacht:

Selbstdarsteller, Kasper, Hampelmann! Du
jämmerlicher Schmierenkommödiant, das
Spiel ist aus! Sterben, ja, doch so tot sein,
dass du, der du doch selbst den Mund so

voll genommen, gefressen und gesoffen hast
und gern das abgestandne Gift aus fremden
Bechern trankst, jetzt selbst gefressen wirst,
wie dieses Aas: Vergiss nicht, das blüht auch dir!

(frei nach Charles Baudelaire)

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