Kackt einfach zu viel

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Stadttaube (Columbia livia f. domestica): Schon auf Noahs Arche war sie mit dabei

Straßentauben haben rote Augen und oft hübsche Hälse. Foto: ks

Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg zählt 55 Sitze. Von diesen 55 Sitzen gehören der CDU lediglich vier und so ist es kein Wunder, dass CDU-Fraktionschef Timur Husein mit seinen Anträgen ebenso wie die kleine zweiköpfige Gruppe der FDP in dem Gremium nur selten Erfolg hat. Mit diesem Antrag allerdings kam er durch, schließlich will sich im grün bewegten Kreuzberg niemand gegen das Wohl von Tieren stellen.

Husein hatte vorgeschlagen, in Friedrichshain und Kreuzberg zwei Taubenschläge einzurichten. Sie bieten den Vögeln bessere Lebensbedingungen, außerdem kann man dort ihre Eier durch Attrappen aus Gips ersetzen und die Population kontrollieren. Im Ausschuss wurde noch herumgemäkelt, wo diese betreuten Schläge denn genau entstehen sollen, ob auf öffentlichem Straßenland oder privat, aber am Ende stimmte die BVV tatsächlich zu.

Tauben begleiten den Menschen seit langer Zeit, sie wurden von Pharaonen und römischen Kaisern geschätzt, vielleicht handelt es sich sogar um die ersten Haustiere überhaupt. Schon Noah hatte in seiner Arche bekanntlich welche dabei. Die heutigen Stadttauben gehen auf die früheren Felsentauben zurück und rekrutieren sich vor allem aus irregeleiteten Haus-, Brief- oder Reisetauben. Sie nisten in Gebäudenischen und auf Gesimsen, ihr Bestand wird derzeit in Berlin auf etwa 10 000 Tiere geschätzt. Tauben bleiben sich ihr Leben lang treu, sie gurren niedlich und, nun ja, sie kacken eben auch ziemlich viel. Nämlich bis zu 12 Kilo pro Jahr und Exemplar.

Vor allem dieser Umstand scheidet die Stadtgesellschaft in Taubenfreunde und Taubenfeinde. Erstere tun nichts lieber, als den übrigens recht hübschen Vögeln Sonnenblumensamen und andere Körner hinzustreuen. Letztere schimpfen über die "Ratten der Lüfte" und warnen lautstark vor Krankheitserregern oder Schäden an der Bausubstanz. Tatsächlich sind Tauben, was die Übertragung von Erregern angeht, wohl nicht gefährlicher als andere Vögel. Sie selbst leiden am meisten an der Überbevölkerung: Bei Futtermangel brüten sie nur umso nachdrücklicher und die oft zur Bekämpfung installierten Drähte und Spikes sind nicht nur hässlich, sondern führen oft auch zu Verletzungen.

Die Berliner Landestierschutzbeauftragte Dr. Kathrin Hermann fordert deshalb nicht nur betreute Taubenschläge und Auffangstationen für verletzte Tiere an einzelnen Hotspots in den Bezirken, sondern ein stadtweites, abgestimmtes Taubenmanagement. Ob sich die Zahl der Tauben dadurch wirksam begrenzen lässt, ist in der Fachwelt umstritten. Gutes und ausreichendes Futter vermindert den Brutstress, sagen die einen. Andere wiederum vermuten, dass die Tauben die Schläge ohnehin bald verlassen, wenn ihnen ständig die Eier weggenommen werden, und dass am Ende ganz im Gegenteil nur eine Verringerung des Futterangebots hilft. So genau weiß es keiner.

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