Verschleppt aus Ostasien

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Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys): Landwirten und Kleingärtnern macht sie keine Freude

Sitzt auf einem Stockrosenblatt, erkundet die Neue Welt und ist genervt vom dichten Autoverkehr - eine Marmorierte Baumwanze. Foto: ks

Bevor endgültig der kalte Winter kommt mit Schnee und Eis, hier noch ein besonders interessanter Gast. Er ist ein Beispiel dafür, dass auch der Amateur mitunter zu bedeutenden Entdeckungen in der Lage ist. Sofort fangen nämlich alle zu schreien an: "Pah! Eine Graue Gartenwanze! Kennen wir längst!" Äh, nein. Das hier links ist Besuch aus Ostasien, der auf dem Stockrosenblatt in der Gneisenaustraße gar nichts verloren hat - eine Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys).

Ist das jetzt nur ein blöder Scherz? Nö. Auf den ersten Blick sind sie leicht zu verwechseln. Aber die Baumwanze lässt sich recht sicher erkennen am quadratischen Kopf. Dahinter, auf dem Rand des Halsschildes, befinden sich fünf helle Flecken. Die transparenten Flügelabschnitte sind nicht gepunktet, sondern zart längs gestreift, das kann man auf dem Foto besonders gut sehen, und die Bänderung der Antennen weicht ebenfalls ab.

Öhm, kann ja alles sein, aber wie kommt sie hierher? Halyomorpha halys lebt eigentlich in Ostchina, Japan, Korea und auf Taiwan. Im Zuge der Globalisierung wurde sie um 2001 herum mit Warentransporten in Pennsylvania (USA) eingeschleppt und schaffte es in drei Jahren bis zur Pazifikküste. 2004 tauchte sie dann im Großraum Zürich auf, 2007 in Transportkisten in Bremerhaven. Mittlerweile ist sie hierzulande vor allem im Südwesten verbreitet, in und um Berlin und in der Region nördlich von Köln. Großstädte scheint sie zu mögen.

Dann ist sie ja ein Geflüchtetes! Na ja, eher ein Verschlepptes. Biologen sprechen von einer invasiven Art und Landwirte von einem gefährlichen Schädling. Die können sie gar nicht leiden: An den Gehölzen im Stadtgebiet kann sich die Wanze stark vermehren und macht sich dann an Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Trauben, Paprika, Tomaten, Gurken, Bohnen oder Zierpflanzen ran. Sie saugt an ihnen herum und hinterlässt verkrüppelte Früchte und einen unangenehmen Geschmack wegen des Wanzensekrets. Das Problem dabei: Halyomorpha hat hierzulande keine Fressfeinde und ist gegen Pflanzenschutzmittel praktisch immun.

Erinnert irgendwie an Corona, finde ich. Vielleicht impfen? Das gerade nicht, aber etwas ganz ähnliches. Es laufen Versuche zur biologischen Schädlingsbekämpfung. In Ostasien legt die Samuraiwespe (Trissolcus japonicus) ihre Eier in den Wanzeneiern ab und die Larven der Wespe fressen dann die Larven der Baumwanze von innen her auf. Jetzt könnte man die Samuraiwespe natürlich nach Europa importieren, andererseits sind wohl schon die ersten von alleine in Deutschland aufgetaucht. Aber es ist tatsächlich ein bisschen wie mit Corona: Verschwinden wird die Marmorierte Baumwanze hierzulande nicht mehr.

Info: Noch mehr Wanzen bei @WirdNichts auf Twitter unter #Adwanzkalender.

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