Wir zeigen Gesicht!

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Am 5. Mai sprechen bei mog61 Menschen mit Einschränkungen

Eien blinde Malerin bei der Arbeit. Foto: Freakstreet Productions

Es sind kräftige, reliefartig aufgetragene Farben: Rot, Orange, Blau, Weiß, Gold. Das Besondere, ja Einzigartige an diesem Bild: Es wurde von einer blinden Malerin geschaffen. Silja Korn hat im Alter von zwölf Jahren bei einem Autounfall das Augenlicht verloren. "Ich sehe gar nichts mehr", sagt sie von sich. "Ich sehe kein Hell, kein Dunkel, ich sehe keine Farben und kann meine Bilder eigentlich gar nicht sehen. Aber ich hab die Farben nicht verloren in der Zeit, in der ich blind geworden bin. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, sie wollen aus meinem Kopf herausplatzen. Die wollten irgendwie frei sein!" Also hat sie begonnen zu malen.

Silja ist eine von vier Menschen mit Einschränkungen, die der gemeinnützige Verein mog61 Miteinander ohne Grenzen e.V. am Mittwoch, 5. Mai, von 19:00 bis 20:30 Uhr zu einem Online-Gespräch eingeladen hat. Der 5. Mai gilt als Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Traditionell würdigt mog61 das wichtige Datum mit einem Fest der Inklusion und einem Free-Jazz-Konzert. In diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einer Online-Veranstaltung mit dem ambitionierten Titel: "Wir zeigen Gesicht! Menschen mit Einschränkungen kommen zu Wort".

"Themen wie Inklusion, Diversität und Gleichstellung sind in den letzten Jahren zu politischen Schlagworten geworden, die man gerne in den Mund nimmt, denen aber selten Taten folgen", sagt mog61-Vorsitzende Marie Hoepfner. "Allzuoft wird von anderen über Menschen mit Behinderungen geredet - wir wollen aber, dass sie sich selbst äußern können. Sie wissen selbst am besten, was ihnen wichtig ist und was sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen." Außer der blinden Malerin Silja Korn werden an dem Online-Gespräch der Para-Leichtathlet und -Karateka Sven Baum teilnehmen, die Journalistin und Bloggerin Laura Mench und der Kreuzberger Lehrer im Ruhestand und Rollstuhlfahrer Rainer Sanner. Alle vier werden von ihren Erfahrungen berichten, die aus ihrer Sicht dringendsten Probleme in ihrem Alltag beschreiben und gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten diskutieren.

Menschen mit und ohne Behinderung sind zu dem Zoom-Meeting herzlich willkommen. Nach dem Austausch der Expert*innen in eigener Sache können sie sich mit Fragen oder eigenen Statements beteiligen. Zugang gibt es zu der Veranstaltung über Zoom oder Facebook. Fragen oder andere Beiträge können schon im Vorfeld oder während der Veranstaltung auch an info@mog61ev.de gesendet werden.

Als Überraschung hat mog61 zum 5. Mai außerdem fünf ganz besondere Menschen in Form von kleinen Filmen porträtiert. So wird Silja zum Beispiel ausführlich zeigen, wie sie als blinde Malerin Bilder malt, Lehrerin Andréa-Jeanne demonstriert Gebärdensprache und Schlagzeuger Marcell führt vor, wie gut er den Rhythmus hält. Die Videoclips werden rechtzeitig vor dem 5. Mai auf dem Youtube-Kanal von mog61 zu sehen sein.

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