“Ich liebe meine Kunden!”

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Buchhändler Lutz Stolze ist mit Lage und Publikum hochzufrieden

Licht in der Nacht: Kommedia am Sonntagabend. Foto: ks

An Kommedia führt kein Weg vorbei. Wer schon länger hier lebt, weiß es natürlich: Kommedia ist ein schmucker Buchladen rechts am Eingang zur Marheineke-Markthalle. Schnell ist der Qualitätstest gemacht: Rainer Maria Rilkes "Malte Laurids Brigge", der durchaus mit den viel berühmteren Gedichten mithalten kann. Joseph Conrad, "Herz der Finsternis". Mein Freund Hemingway. Von Dostojewskij stehen gleich ein paar dicke Schinken in der schönen Neuübersetzung von Swetlana Geier im Regal.

Ja, über Hemingway kann man natürlich streiten. Erst hält man ihn vielleicht für einen eher peinlichen Alkoholiker mit fragilem Ego, der in der Karibik Fische fängt oder im Afrika seltene Tiere umbringt. Zwanzig Jahre später liest man dann die grandiosen Reportagen aus den 30er, 40er Jahren und merkt: Was für ein großer Mann! Aber das gehört eigentlich gar nicht hierher.

Kommedia ist nur ein kleiner Buchladen, der Raum misst gerade mal 30 Quadratmeter. Aber er hat genau die richtigen Bücher. "Man muss ja wissen, wer hier lebt und was die Leute lesen", sagt Inhaber Lutz Stolze. "Das Schöne ist, das deckt sich hier ganz stark mit meinem eigenen Geschmack." Und was lesen die Menschen im Bergmannkiez? "Viel anspruchsvolle Literatur, gute Sachbücher, wenig Kitsch. Die Leute orientieren sich nicht an Bestenlisten, sondern eher an den Feuilletons. Ich hab keine Esoterik zum Beispiel, ich muss ja nicht Mainstream einkaufen, ich kann einkaufen, was interessant ist. Ein Verlag wie Matthes & Seitz, der läuft bei mir wahnsinnig gut, ich habe auch hohe Suhrkamp-Umsätze, also sehr viele Qualitäts-Verlage."

Nach wilden Jugendjahren stieg der heute 68-Jährige 1985 bei einer Buchhandlung in der Bundesallee ein, zog später in die Potsdamer Straße und da kam eines schönen Tages eine schöne Französin namens Catherine Houssay durch die Tür. "Dann haben wir einen Laden gesucht, den haben wir hier gefunden, das war 2004, und seitdem geht es richtig gut." Im Unterschied zu anderen Buchhändlern klagt Stolze keineswegs über schlechte Geschäfte oder erdrückende Konkurrenz aus dem Internet. Ganz im Gegenteil: "Wir haben immer noch leichte Umsatz-Zuwächse. Ja, das wundert mich selber, wir machen anscheinend einiges richtig. Entscheidend ist die Lage und das Publikum. Die Lage ist halt 1 A, aber das Publikum auch. Ich liebe meine Kundschaft!"

Stolze selbst ist mit Dostojewskij erwachsen geworden, mit Kafka, Hermann Hesse und Henry Miller. Ralf Rothmann kann er empfehlen, ein Sachbuch von Cord Riechelmann über Krähen und natürlich "Die Schöne des Herrrn" von Albert Cohen. Dann sitzen wir noch eine Weile in der "Marktwirtschaft" herum, nippen am Wein und diskutieren darüber, ob Hermann Hesse nun pubertäre Erbauungs- oder eben doch Weltliteratur ist. Und über Thomas Bernhard, der bei Kommedia ein halbes Regalbrett füllt. Mindestens.

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