Unglückliche Ente

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Tangs Kantine in der Dieffenbachstraße enttäuscht

Tangs Kantine verspricht "feinste chinesische Küche". Foto: ks

Die Restaurants im Kiez haben schlimm unter der Corona-Pandemie gelitten. Bei manchen muss man dankbar sein, dass sie überhaupt noch existieren. Andere suchen derzeit verzweifelt nach guten Köchen oder Bedienungen. Und ja, die Preise steigen. Außerdem mag es schlechte Tage geben, wo das Essen nicht ganz so lecker schmeckt wie sonst. Dies alles eingeräumt: Der Restauranttester muss trotzdem einigermaßen objektiv sein und deshalb kündigen wir hier schon an: Dies wird leider keine Lobeshymne!

Lauer Sommerabend, eigentlich wollten wir zu dritt ins "Feed Back" am Paul-Lincke-Ufer, aber das war komplett ausgebucht. Darauf schlug einer "Tangs Kantine" in der Dieffenbachstraße vor. Angenehm gelegen unter dunklen Platanen, schöner Tisch. Erster Eindruck: kreative Speisekarte, die etwa erklärt, warum zu Zeiten Mao Ze Dongs kaum Fleisch auf den Tisch kam, nur an Maos Geburtstag reichlich gekochter Schweinebauch - sein Lieblingsgericht. Zweiter Eindruck: Das Personal ist freundlich und bemüht, aber überfordert. Niemand kann im gleichen Moment neue Gäste platzieren, Bestellungen aufnehmen und dann auch noch Wein nachschenken.

Die Minuspunkte häufen sich bald. Der Aperol ist dünn und wässrig, eine absolute Enttäuschung im Vergleich zu der leckeren Version mit Minze, welche zum Beispiel die Mokkabar serviert. Die Vorspeisen kommen nicht zur gleichen Zeit, dafür sofort Wein und Bier, welche erst zu den Hauptgerichten hätten gereicht werden sollen. Währenddessen irrt der Hilfskellner wortlos herum wie in Trance. Sehr hübsch die schweren roten Stoffservietten mit den Stäbchen. Und die Bedienung fragt auch höflich nach, ob zusätzlich eine Gabel gewünscht wird? Ja, bitte. Jeder von uns dreien hatte Vorspeise und Hauptgericht. Hier sind die Bewertungen:

  • Zwei Frühlingsrollen: Die kamen mir vor wie aus der Tiefkühltruhe mit einer vollkommen uninspirierten, nach nichts schmeckenden Soße. Selten habe ich so eine schlechte Soße zu Frühlingsrollen gegessen.
  • Suppe sauer-scharf: Schon beim ersten Löffel viel zu salzig. Mit der Zeit tauchen ein paar Nebengeschmäcker auf, hatten aber keine Chance gegenüber der einen dominierenden Geschmacksrichtung. Vermutlich Sojasauce oder zu viel Gewürzpulver.
  • Xia-Mai: Dim Sum Teigtaschen mit Hühnerfleisch und Garnelen. Der Teig gummiartig und gar nicht gut. Das waren nicht die großen Garnelen, die ich mag, Gambas oder so, eher wie Krabben. Ungenießbar! Dabei liebe ich Dim Sum!
  • Shanghai-Ente: Durchschnittlich. Relativ geschmacklos, ein bisschen Glutamat drin, aber nicht raffiniert gewürzt. Das Gemüse so wie man es beim Asiaten erwartet, also nur kurz im Wok angedünstet. Und die Entenbrust, das ist Massenware, die kriegt jeder Chinese und Vietnamese in Berlin vom Großhändler geliefert. Aber immerhin essbar.
  • Das Schwein, das vom Meer träumt: gebratenes Schweinefleisch nach Szechuan-Art mit Bambus und Knoblauch, sauer-scharf. Lustiger Titel, aber genau wie die Sauer-Scharf-Suppe: viel zu salzig, überwürzt, lediglich ein einziger Hauptgeschmack, keinerlei frische Kräuter. Muss man sich nicht wirklich geben.
  • Ente im Glück: Es ist lange her, dass ich so schlecht gegessen habe! Also unglücklicher kann man ein Gericht gar nicht nennen. Es war furchtbar. Das Fleisch zäh. Schmeckt so, als hätten sie es es mit Glutamat und Gewürzpulver reichlich übertrieben. Salzig und das hat geglänzt! Ich habe nur aufgegessen, weil ich irgendetwas im Magen haben wollte, wenn wir nachher was trinken gehen.
  • Reis: Grenzwertig. Das erste Mal, dass ich bei einem Chinesen schlechten Reis gegessen habe. Und das ist ein Armutszeugnis, weil mit einem Reiskocher ist das überhaupt kein Problem. Der Reis war hart, al dente, das ist bei Reis gar nicht gut, und gleichzeitig auch noch klebrig! Habe ich vorher noch nie gesehen. Wahrscheinlich wurde er vormittags vorgekocht und dann aufgewärmt.

Es tut uns leid, so böse Sachen zu schreiben. Inhaberin Shaohuan Wolf kam nach der Jahrtausendwende aus der Hafenstadt Shanghai nach Berlin, der Innenraum des Restaurants ist geschmackvoll eingerichtet und ab und zu gibt es auch interessante Kulturveranstaltungen. Noch vor Jahren lobten kulinarisch erfahrene Freunde Tangs Kantine als "recht ordentlich". Irgendetwas muss seither schief gelaufen sein - das lässt auch eine Reihe von katastrophalen Google-Bewertungen aus neuerer Zeit vermuten. Wir gehen jedenfalls erst einmal nicht mehr hin.

Kontakt: Tangs Kantine

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