Auf der Suche nach seltenen Vögeln

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Wolfgang Sobeck plaudert über Analog- und Digitalfotografie

Wolfgang Sobeck. Foto: ks

Es ist nicht so einfach, mit jemandem ins Gespräch zu kommen, den man nur vom Sehen kennt. Ich sitze am Ladentisch von »Foto Objektiv«, Ecke Zossener / Gneisenaustraße, gucke mich im Geschäft um, und Inhaber Wolfgang Sobeck erzählt erst ein bisschen von seinem Hobby. Er fotografiert gerne Tiere. Hier in Berlin sind es vor allem Vögel: Habicht, Roter und Schwarzer Milan, Graureiher, Silberreiher.

Und Eisvögel natürlich. Am Schloss Charlottenburg und an der Spandauer Zitadelle, da sitzen sie mit ihrem wunderschönen blauen Gefieder oft über dem Fluss und fischen. »Wenn man in die Natur geht, öffnet sich ein Fenster«, sagt Herr Sobeck. »Für einen Moment bekommt man einen Einblick. Dann ist es wieder zu.« Zusammen mit seiner Frau ist er auch im Kranichschutz aktiv. Wenn im Herbst in Linum bis zu 75.000 Kraniche stehen, schaut er ihnen gerne beim Tanzen zu.

Zwischendrin betreten immer wieder Kunden den Laden. Ein Paar studiert eine gebrauchte Hasselblad, die im Schaukasten liegt, und will morgen wiederkommen. Das Geschäft hat der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann seit 1981, ursprünglich befand es sich auf der anderen Straßenseite. Er erinnert sich noch genau, wie die Zossener zwischen Gneisenau- und Bergmannstraße damals aussah: Es gab drei Buchläden, einen Friseur alten Stils für die alten Damen mit Wasser- und Dauerwelle, eine Hutmacherei. »Heute ist das ja eine Fressmeile«, klagt er. »Und in der Bergmannstraße dasselbe.

«Wenn er seltene Vögel fotografiert, geht er selbst mit einer digitalen Sony A 99 auf Pirsch. Das lässt sich nicht anders machen, weil von 20 Bildern höchstens eins etwas wird. Ansonsten aber ist »Foto Objektiv« ein Hort der Analogfotografie. Natürlich verkauft der gebürtige Hesse auch Speicherkarten, USB-Sticks, gebrauchte Digitalkameras und Ferngläser, aber der Schwerpunkt liegt auf Negativ- und Diafilmen, Sofortbildkameras, Stativen und Fotoarbeiten: Der Kunde bringt einen belichteten Film vorbei und kann später die Abzüge abholen. Außerdem gibt es Fotoalben und Fotoecken. Fotoecken? Als ich stutze, lächelt der Ladenbesitzer: »Sehen Sie, das kennen Sie schon gar nicht mehr.«

Überwiegend verkauft er mittlerweile an Touristen. »Das Bildergeschäft ist komplett eingebrochen. Das wird dazu führen, dass die Leute irgendwann keine Erinnerung mehr haben. Die Festplatte ist abgestürzt, das Smartphone weggeworfen, auch CDs halten nicht ewig – und Bilder gibt es nicht mehr.« Herr Sobeck hält gar nichts von der blinden digitalen Knipserei. »Die Leute machen tausend Fotos, gelöscht wird nichts, dann finden sie sich im Datenmüll nicht mehr zurecht. Und wie banal! Guck mal, was ich mache! Guck mal, was ich esse! Was für ein Blödsinn! Wen interessiert das im Netz?

«Er trauert den alten Zeiten hinterher, als Fotos noch nicht die Datenspeicher und sozialen Medien überschwemmten. Es kostete jedesmal Geld, auf den Auslöser zu drücken: »Da überlegt man sich, was, wie und ob man fotografiert.« Die Suche nach dem perfekten Bild, nach dem richtigen Augenblick, die Vorfreude auf die Abzüge, der Aha-Effekt in der Dunkelkammer. Aber er weiß natürlich auch, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt.

Ausgerechnet in diesem Moment kommt ein Pärchen in den Laden und kauft zwei Negativfilme von Kodak, einen schwarz-weiß, einen farbig. Warum? »Weil es schöne Bilder sind«, sagt der Mann. »Ich mag das, wenn man sie erst entwickeln muss.«

Dann erzählt Wolfgang Sobeck noch ein wenig von seinen Vögeln. In Costa Rica, wo er häufig gewesen ist, hat er lange nach dem Quetzal gesucht, dem berühmten Göttervogel der alten Azteken. Ein prächtiges Tier mit gelbem Schnabel, rotem Bauch, das übrige Gefieder schimmert je nach Lichteinfall blau oder grün. Manchmal sieht man tagelang keinen einzigen, aber er hat ihn schon oft fotografiert. Die Schwanzfedern des Quetzal sind bis zu einem Meter lang. »Der ist richtig groß«, sagt Herr Sobeck und strahlt.

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