Er hat sogar Atatürks Flügel repariert

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Seit mehr als 40 Jahren sorgt Kadir Albay für die richtige Stimmung von Tasteninstrumenten

Klavierbaumeister Kadir Albay kümmert sich darum, dass auch dieses Klavier wieder hundert Jahre hält. Foto: ks

Gleich am Eingang steht ein wunderschönes schwarzes Klavier der Firma Weissbrod aus dem Jahr 1937. »Die Hammerköpfe aus Filz, die Dämpfung, das alles musste komplett erneuert werden«, sagt Kadir Albay, »zu Weihnachten geht es nach Istanbul.« Und er ergänzt: »In den 1930er Jahren wurden die besten Instrumente gebaut.« Die weißen Tasten waren damals noch aus Elfenbein, nicht wie heute aus Kunststoff, die Oberfläche der Flügel aus Schellack und nicht aus Polyester.

Der 79-Jährige führt zusammen mit seinem Sohn Hakan ein Pianohaus in der Zossener Straße 8, kauft und verkauft gebrauchte Klaviere oder Flügel, bringt sie wieder in Ordnung und kümmert sich auch um die richtige Stimmung. In Istanbul hatte er bei einem bekannten Klavierbauer gelernt, der gab ihm den Rat, nach Deutschland zu gehen. Albay arbeitete bei Bechstein und anderen berühmten Firmen. Im Jahr 1977 machte er sich selbstständig, erst mit einem Laden an der Ecke Zossener / Fürbringerstraße, die Monatsmiete lag damals bei 120 Mark, wie er sich erinnert. Dann fünf Jahre lang in den heutigen Redaktionsräumen des Stadtteilmagazins »Kiez und Kneipe« und seit 1993 dort, wo das Geschäft heute ist. »Das ist schon wieder 25 Jahre her«, seufzt er. »Meine Güte, wie die Zeit vergeht!«

Im Keller findet man eine von Kollegen aus ganz Berlin benutzte Spinnmaschine für die Bass-Saiten, im Geschäft Instrumente aller großen Marken. Ein gebrauchter Flügel kostet heutzutage zwischen 3.000 und 30.000 Euro, ein Klavier zwischen 1.200 und 7.000 Euro. Wenn so ein gutes Instrument einmal gründlich überholt wurde, meint Albay, »kann man noch hundert Jahre darauf spielen«.

Der Klavierbaumeister hat viel erlebt und kann viel erzählen. Zum Beispiel die Geschichte des Bechstein-Flügels von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei. Der war 1932 angeschafft worden, wurde 70 Jahre lang weder gestimmt noch reguliert und musste 2004 für ein Konzert vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin dringend generalüberholt werden. Albay flog dafür extra nach Ankara und war acht Tage beschäftigt. »Das hab’ ich natürlich umsonst gemacht«, sagt er. »Ich hab’ keinen Cent genommen, es war eine Ehre für mich.«

Kontakt: Piano Service Albay

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