Morgens beim Bäcker

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Ohne Kaffee und Schokobrötchen geht gar nichts

Kaffee mit Milch und Schokobrötchen. Mmmmmmh! Foto: ks

Meine Mutter hatte ein großes Talent, sich in Szene zu setzen. Ging sie einkaufen, wollte sie niemals nur Brötchen, sondern ganz unbedingt "helle Brötchen" haben. Und auch keine Tomaten, sondern "frische Tomaten" mussten es sein. Dabei machte sie sich breit und wichtig und natürlich gab es dann noch andere Dinge zu klären. Ob die billigen Aprikosen und Pfirsiche aus Italien (EWG nannte sich das damals) schon nächste oder doch erst übernächste Woche einträfen und wie es denn mit den Weintrauben sei. Sie war etwas Besonderes, daran ließ sie keinerlei Zweifel, und die Frauen in der Schlange hinter ihr bekamen rote Köpfe vor Neid.

Mir selbst, unauffällig, bescheiden und introvertiert wie ich bin, waren und sind solche Auftritte völlig fremd. Als kleiner Junge wurde ich einmal in den Laden geschickt, um "Röstbrot" zu holen. So hieß das bei uns in der Familie. Also stand ich an der Theke und sagte mit wackeliger Stimme: "Ein Röstbrot, bitte!" Der Ladenbesitzer lachte nur breit. "Toastbrot heißt das!", korrigierte er. Wie oberpeinlich!

Frauen wie meine Mutter gibt es auch heute noch. Am Sonntagmorgen in meiner Lieblingsbäckerei. Wegen Corona hat es sich dort eingebürgert, dass immer nur ein einziger Kunde den Laden betritt. Eine Frau in den Mittvierzigern, gut aussehend, selbstbewusst. "Acht Schrippen", verlangt sie laut und bestimmt. "Ach nein, vielleicht nehme ich lieber ... Sagen Sie, diese Rosinenschnecken schauen auch ganz gut aus ... Oder wären vielleicht da drüben die Schoko ... Dann wollte sie noch dieses und jenes und am Ende noch einen Laib Brot. Sie genoss es. Draußen die Schlange wurde lang und immer länger. Die ersten bösen Blicke.

Natürlich stehe ich heutzutage über solchen Dingen. Mir selbst genügt, wie jeden Morgen, ein großer Kaffee mit einem leckeren Schokobrötchen. Die Bäckereifachfrau hatte Augen, als hätte sie zwei Nächte hintereinander durchgemacht. Mühsam fummelt sie an der Maschine herum. Dauert auch eine ganze Weile, so ein frisch zubereiteter Kaffee, denke ich, und beobachte mit Genugtuung, wie die Schlange draußen wächst. Dann sitze ich entspannt in der Sonne, ein Nachbar erscheint und holt sich seinen Coffee To Go tatsächlich ökologisch vorbildlich im Mehrwegbecher ab. Applaus, Applaus! Vielleicht ist die Welt ja doch noch zu retten.

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