Geben und Nehmen

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Am Südstern ist zweimal im Jahr Sperrgutmarkt

Sperrgut, kein Sperrmüll, sagt Bettina Bofinger vom NHU. Foto: ks

Ein hübsches kleines Schränkchen, Metallgestell, acht praktische Schubladen aus Sperrholz. Kaum einer der Vorübergehenden, der es versäumt, den obersten Schub prüfend herauszuziehen und wieder hineinzuschieben. Kann ich das brauchen? Habe ich Platz in der Wohnung? Die Fragen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Schließlich erscheint eine Frau in brauner Jacke, stellt ihre Tasche besitzergreifend oben drauf und öffnet neugierig alle acht Fächer, jedes einzelne. Aber es fehlt wohl das geeignete Transportmittel. Daher kommt am Ende nicht sie, sondern ein groß gewachsener Familienvater zum Zug, samt Frau, kleinem Kind und Lastenfahrrad. Selbstzufrieden und ohne weitere Umstände packt er das Schränkchen ein.

Sperrgutmarkt am vergangenen Samstag am Südstern. Der existiert schon seit gut 20 Jahren und Bettina Bofinger vom Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße (NHU) weiß auch, warum. "Es geht um Sperrgut, nicht Sperrmüll", erklärt sie, also um Dinge, die sich wiederverwenden lassen. Damit nicht überall "so Müllecken im Bezirk" entstehen, kann man hier zweimal im Jahr nicht mehr benötigte Möbel, Kleidungsstücke und Haushaltsgegenstände abliefern oder sich umgekehrt selbst damit versorgen. Ein Tauschmarkt - wenn auch nicht alle Gegenstände wieder neue Besitzer finden. Elektrogeräte sind ausgeschlossen, weil Sondermüll.

Ein spektakulärer roter Koffer, diverse Pfeffermühlen, Blumentopf-Untersetzer, Kinderschuhe, Teller, Kleiderbügel, alte Pfannen, Klamotten, ein Fahrradanhänger, Teppichreste, ein Kindersitz, Keks- und Teedosen, Aktenordner, gerade treffen noch ein Surfbrett und ein Trampolin ein. Derweil werden Unterschriften für das Volksbegehren "Berlin 2030 klimaneutral" gesammelt, die BürgerGenossenschaft Südstern hat einen Stand und auch mog61 Miteinander ohne Grenzen e.V. ist seit Jahren mit im Boot: "Wir finden das eine gute Idee, alte Sachen hierherzubringen. Geben und Nehmen, das ist nachhaltig und gut für die Umwelt", sagt Vorsitzende Marie Hoepfner am Infotisch.

Manchmal gibt es hier richtige Schnäppchen - Insider erinnern sich an einen schönen Aktenschrank im Mai. Wenn es nicht gerade regnet, natürlich auch eine wunderbare Gelegenheit, sich mit Nachbarn auszutauschen. "Ich habe seit Jahren schon schwere Depressionen", teilt eine ältere Frau hörbar mit. Irgendwer glaubt den früheren Regierenden Bürgermeister Walter Momper unter den Passanten zu entdecken. Ein paar Meter weiter lockt der Wochenmarkt. Nichts für Geringverdiener: Die Spaghetti Bolognese schmecken zwar prima, sind aber bestenfalls lauwarm. Und die Crêpes mit Schokolade trotz der zwei netten Gummibärchen mit 4,50 Euro viel zu teuer.

  1. uwe flamme

    Ich konnte dieses Jahr leider nicht dabei sein, weil ich an dem Tag einen Erste Hilfe Kursus bei den Johannitern hatte.
    Ich werde aber auf alle Fälle nächstes Jahr wieder dabei sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe Flamme

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