»Die Straßennamen sind Teil des preußischen Erbes«

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Aber genau damit haben einige Kreuzberger Kiezbewohner so ihre Schwierigkeiten

Will nicht "Zum friedlichen Maiglöckchen" heißen - die legendäre Kreuzberger Jazzkneipe Yorckschlösschen. Foto: ks

»Dieses Lokal heißt seit 1890 so«, sagt Olaf Dähmlow. »Das steht in allen erdenklichen Reiseführern, wie soll das denn überhaupt gehen mit den Navigationsgeräten, bei Google, das können Sie nicht einfach so ändern, weil das den Grünen mal in den Sinn kommt! Die Geschichte können Sie nicht unter den Teppich kehren!«

Dähmlow ist Inhaber des »Yorckschlösschens« in der gleichnamigen Straße, einer profilierten Traditionskneipe mit Biergarten, die sich dem Jazz verschrieben hat, und man kann schon verstehen, dass er künftig lieber nicht »Zum friedlichen Maiglöckchen« heißen will. Er hält vom Projekt einer »Entmilitarisierung des öffentlichen Raumes« eher wenig oder um es mit seinen Worten zu sagen: »Nein, also das ist ja völliger Quatsch!«

Andere sind sich nicht so sicher. »Wir sind da spielerisch mit umgegangen und haben manchmal das ‚l‘ weggelassen «, berichtet Anna Jacobi von der Amerika-Gedenkbibliothek – wodurch aus dem Blücherplatz schnell ein lustiger Bücherplatz wurde. Privat denkt sie, dass die traditionellen Straßennamen einerseits so etwas wie Identität stiften und eine Umbenennung lästig wäre. Andererseits wäre es aber auch wichtig, mehr über die entsprechenden Personen zu erfahren – vielleicht durch Zusatzinformationen an den Straßenschildern.

Auch Pfarrer Peter Storck von der evangelischen Heilig Kreuz-Kirche, die zwar an der harmlosen Zossener Straße liegt, aber an die heikle Blücherstraße angrenzt, spricht von einer »sinnvollen Diskussion«. Durch Straßennamen würden eben Wertigkeiten gesetzt und da »gibt es viele, welche die Stadt gestaltet haben«, sagt er. »Preußische Generäle müssen es nicht unbedingt sein.«

Antje Lange, Vorstandsmitglied im Förderverein des House of Life in der Blücherstraße, begrüßt die Initiative. Carla Miranda vom Mehrgenerationenhaus in der Gneisenaustraße findet die Debatte ebenfalls wichtig. »Wir arbeiten sehr sozialraumorientiert«, sagt sie. »Und da geht es darum, die Nachbarn im Kiez  einzubinden.«

Der Grünen-Antrag selbst ist inzwischen im Kulturausschuss gelandet. Für die Grünen erklärte Werner Heck dort noch einmal, dass es vor allem darum gehe, eine Diskussion anzustoßen – angesichts der großen öffentlichen Resonanz sei das bereits gelungen. Daraufhin schlug die SPD ironisch vor, wegen des nicht ganz astreinen »Friedrich« gleich den ganzen Bezirk umzubenennen und sowohl die Berliner Siegessäule wie den Pariser Arc de Triomphe abzureißen. Ausgerechnet dem türkischstämmigen Timur Husein (CDU) blieb das Schlusswort: »Es ist Teil unseres preußischen Erbes. Und das möchte ich nicht missen.«

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