Betroffen und bewegt

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Solidaritätsbekundung des Bezirks für die Ukraine

Solidarisch mit der Ukraine: Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne), die StadträtInnen Regine Sommer-Wetter (Linke), Annika Gerold (Grüne), Oliver Nöll (Linke) und BVV-Vorsteher Werner Heck (Grüne; v. li.). Foto: ks

mogblog hat seine Augen und Ohren überall und weiß deshalb natürlich auch, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im Fachhandel eine große Ukraine-Flagge in Auftrag gegeben hat, die dann vielleicht sogar einmal vor dem Rathaus in der Yorckstraße wehen könnte. Und das wäre auch gut so, denn bei der "Solidaritätsbekundung" des Bezirks am 4. März war nur eine einzige klitzekleine ukrainische Fahne zu sehen, sonst gab es nur eilends angefertigte bunte DIN A3-Zettel aus dem Laserdrucker. "We Stand for Peace" und "WeStandWithUkraine" war darauf zu lesen, dazu fünf Herzchen und eine Friedenstaube. Das hielten sich Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und drei StadträtInnen demonstrativ und etwas betreten vor die Brust.

Um Solidarität mit der Ukraine auszudrücken, hatte der Bezirk an die Ecke Persius- / Corinthstraße in Friedrichshain eingeladen. Wer die intensiven, emotionalen Kundgebungen vor der Russischen Botschaft, die große Friedensdemo auf der Straße des 17. Juni erlebt und die Gesichter dort gesehen hatte voller Verzweiflung, Trauer, Wut, aber auch voller Stolz und Hoffnung, mochte enttäuscht sein. Gerade mal 40 Leute waren gekommen, Teile der Bezirksregierung, einige BVV-Mitglieder, dazu viele Beschäftigte des Bezirksamts und nur eine Handvoll sonstiges Publikum. Bei offensiverer Werbung und einer Veranstaltung vor dem Rathaus wären es sicherlich weit mehr gewesen.

Herrmann dankte den (kaum anwesenden) Friedrichshain-KreuzbergerInnen für ihr "großes Herz" für Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet, erwähnte auch die an dieser Stelle gepflanzte "Friedenseiche" und berichtete von ihrer eigenen Geburt vor 36 Jahren in einer geteilten Stadt. Immerhin schaffte sie es, während ihrer Rede viermal das Wort "Ukraine" und zweimal das Wort "Angriffskrieg" in den Mund zu nehmen, blieb aber ansonsten auffallend allgemein: "Wir sind betroffen und bewegt von den Schicksalen der Menschen, die sich weltweit für Frieden einsetzen!" Und BVV-Vorsteher Werner Heck, der sonst um Worte nie verlegen ist, wenn es darum geht, Straßennamen zu "entmilitarisieren", wusste gleich gar nicht mehr, was er sagen sollte.

Man muss das verstehen. Schließlich hatte sich Friedrichshain-Kreuzberg lange gewehrt, in Sachen Corona die Hilfe der Bundeswehr in Anspruch zu nehmen - hielt die eigene Armee also offensichtlich für bedrohlicher als die Pandemie selbst. Da fällt die Einsicht natürlich schwer, dass nicht nur Deutschland derzeit aufrechte Generäle wie Yorck (welcher in protestantisch-aufklärerischer Tradition den Aufstand gegen den eigenen König wagte) und Gneisenau (der mithalf, in Preußen die allgemeine Wehrpflicht durchzusetzen) ganz gut brauchen könnte. Es muss ein schlimmes Erwachen sein, wenn man plötzlich entdeckt, dass Kiezblocks, Lastenfahrräder, Antifa und korrektes Gendern diese Welt niemals retten werden - wenn gleichzeitig die zitternde Hand eines Wahnsinnigen über roten Knöpfen schwebt. Der übrigens nicht die geringsten Skrupel hätte, außer Mariupol auch das ersehnte Bullerbü mit Streubomben und Flammenwerfern in Schutt und Asche zu legen.

Was vielleicht helfen könnte? Ein, zwei, drei Panzerdivisionen, eine funktionierende Luftabwehr und, ja, eine allgemeine einjährige Dienstpflicht für Männer und Frauen, die dann gern auch außerhalb des Militärs abgeleistet werden darf. Der Lernprozess ist noch im Gang.

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